Leanders letzte Reise

Am Freitag, 8. Dezember 2017 um 20:00 Uhr. Eintritt 5 Euro


  Webseite: www.LeandersLetzteReise.de

Deutschland 2016 Regie: Nick Baker Monteys
Buch: Nick Baker Monteys, Alexander Umminger
Darsteller: Jürgen Prochnow, Petra Schmidt-Schaller….
Länge: 107 Minuten FSK: 6

Adele (Petra Schmidt-Schaller) jobbt als Kellnerin und liegt im steten Clinch mit Mutter Uli (Suzanne von Borsody). Als ihr Großvater Eduard Leander (Jürgen Prochnow) im Frühling 2014 plötzlich ohne viele Worte Richtung Ukraine aufbricht, soll Adele ihn in letzter Sekunde aufhalten. Doch der störrische Alte lässt sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Er hat sich in den Kopf gesetzt, seine verlorene Liebe wiederzufinden, die er als junger Wehrmachtsoffizier im Osten zurücklassen musste. So landet Adele wider Willen mit im Zug und muss die Reise gemeinsam mit Eduard in die von Kriegswirren geplagte Ukraine antreten. Eine abenteuerliche Reise quer durch alle Fronten beginnt…

In seinem ebenso gefühlvollen wie aufwühlenden Drama schlägt Nick Baker Monteys (DER MANN, DER ÜBER AUTOS SPRANG) Brücken zwischen Jung und Alt, krisengeschüttelter Ukraine und deutscher Vergangenheit, privater Geschichte und politischer Historie. LEANDERS LETZTE REISE ist ein berührendes Roadmovie, das dem Kino bislang vollkommen unbekanntes Terrain erschließt…(Verleih Tobis)

Der einstige Faschist kehrt nun, nach 70 Jahren, das erste Mal an den Ort zurück, wo er gekämpft, sich aber auch unsterblich verliebt hatte. Eine doppelte Tragik: Nach dem Krieg rettete er seiner Geliebten und ihrer Familie das Leben vor der Hinrichtung durch die Sowjets, während Leander selbst als Kriegsverbrecher in den Gulag musste. So ist er beides: Held und Täter zugleich. „Klar, ist er ein Täter. Aber ich glaube, es ist wichtig, auch einen Täter ein bisschen zu verstehen und ihm näher zu kommen. Vor allem, wenn man einen in der eigenen Familie hat.

„Ich will wissen, warum wir sind wie wir sind“, fordert Enkelin Adele in einer Szene. Dieser Film geht das Wagnis ein, die Beziehung von Lebenslinien und historische Linien an einem so aktuellen Konflikt wie dem in der Ukraine zu erzählen. Das ist eigentlich ein bisschen viel. Doch so zeigt er, wie gegenwärtig Geschichte ist.     Dennis Wagner TTT

 

Dem Film ist an einem eindimensionalen Täterporträt nicht gelegen. Vielmehr verweist er auf die komplexen Grenzverläufe und Schuldverstrickungen vor dem Hintergrund der ukrainischen Geschichte, wo während des Zweiten Weltkrieges ukrainische Milizen an der Seite der NS-Truppen gegen die Sowjets kämpften. Die traumatischen Kriegserfahrungen prägen auf beiden Seiten nicht nur das familiäre Schicksal über Generationen hinweg, sondern wirken direkt in die politische Gegenwart hinein, wo alte Fronten neu aufgerissen und für manipulative Zwecke benutzt werden.

Teilweise wirkt der Film in seiner Dramaturgie etwas holprig und in seinen Wendungen überstürzt. Aber das ist letztlich nur die Konsequenz der komplizierten historischen und politischen Verhältnisse, auf die sich diese persönliche, nah an den Figuren erzählte Geschichte in all ihrer Widersprüchlichkeit einlässt.   Martin Schwickert, nordbayern.de