Furusato – Wunde Heimat

Am Mittwoch, 25. April 2018 um 20:00 Uhr. Eintritt 5 Euro


Webseite: www.furusato-film.com

Dokumentation  Deutschland 2017
Regie & Buch: Thorsten Trimpop
Länge: 90 Minuten  Verleih: Im Film
Kinostart: 8. März 2018

Warum leben Menschen in einer Gegend, über die sie wissen, dass von ihr eine unsichtbare tödliche Gefahr ausgeht?

Dieser Frage spürt Thorsten Trimpop in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm nach. In Japan hat Heimat eine tiefe Bedeutung. Die Landschaft, in die man geboren wird, trägt der Mensch ein Leben lang in sich. Sie prägt ihn, sie ist ihm heilig: sie ist sein Furusato 古里. So fühlen sich die verbliebenen Bewohner der Gegend um Fukushima verantwortlich – für ihre Heimat, die Auf- rechterhaltung ihrer Traditionen, ihre Mitmenschen oder Tiere. Menschen wie der Aktivist Bansho, die junge Pferdezüchterin Miwa oder die ältere Frau Noda – sie alle bleiben in der Heimat, mit zum Teil bereits spürbaren Folgen für ihre Gesundheit. Wobei nicht alle von ihnen diese Entscheidung freiwillig treffen – Entschädigungszahlungen für ihre unbewohnbaren Häuser haben nur wenige erhalten, andere – wie die Familie von Miwa – haben keinerlei Hilfen bekommen. Sie können es sich schlicht nicht leisten zu gehen. Wie auch den Schulkindern, die im Chor „ich liebe Fukushima, ich gehe hier nicht weg“ singen, bleibt ihnen keine andere Wahl, als in der verstrahlten Heimat zu bleiben. (Verleih)

Furusato 古里 wurde auf dem Internationalen Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig 2016 mit der Goldenen Taube als bester deutscher Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Die Jurybegründung:
„Obwohl Deutschland den Atomausstieg beschlossen hat, wird in Polen nahe der deutschen Grenze ein Atomkraftwerk gebaut werden, außerdem hat schon Tschernobyl ein Viertel der Welt für Jahrhunderte verstrahlt.
Wie eine der bedeutendsten Industrienationen der Welt mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima umgeht, bis heute überfordert ist, weiterhin tagtäglich versagt, wie Überlebende ihre Heimat nicht verlassen wollen oder können, mit absehbaren Folgen für die eigene Gesundheit und die nachfolgender Generationen, wie diese Menschen – ob jung, ob alt – vertröstet, belogen, im Stich gelassen werden – das alles hat auf unbequeme, verstörende und hochkomplexe Weise der Regisseur und sein mutiges Team zu einem eindrücklichen dokumentarischen Filmkunstwerk verdichtet.“

Furusato schafft es auf eine ruhige und unkommentierte Weise, dass man Anteil nimmt am Schicksal der ganz unterschiedlichen Figuren im Fokus. Erschütternd sind die Katastrophe und ihre Auswirkungen, das einzelne Leben der verschiedenen Menschen und seine Details immer, aber interessant ist, auf welch unemotionale Weise sie vermittelt werden. Das hat sehr viel Kraft. Die Bilder des Films bleiben lange im Kopf des Zuschauers – und er hat nicht umsonst die Goldene Taube als bester deutscher Film des Dokumentarfilmfestivals DOK Leipzig erhalten.

Verena Schmöller, Kinozeit