Die SCHÜLER der MADAME ANNE

Am Freitag, 15. Januar 2016 um 20:00 Uhr. Eintritt 5 €


Madame AOT: Les héritiers Frankreich 2014
Regie: Marie-Castille Mention-Schaar
Länge: 105 Min. Verleih: Neue Visionen

Ein Leben im Pulverfass: die 11. Klasse des Pariser Léon Blum Gymnasiums ist im wahrsten Wortsinn vielfältig. Doch tummeln sich hier viele, die wissen, dass sich der Rest der Welt nicht für sie interessiert. Der junge Muslim Malik, die aggressive Mélanie oder der stille Théo nehmen nicht teil am Wohlstand der Mitte und sie haben sich damit abgefunden. Das Klassenzimmer ist ihre politische Bühne, hier begegnen sich mit voller Wucht kulturelle und persönliche Konflikte. Etwas zu lernen, scheint reine Zeitverschwendung. Als die engagierte Lehrerin Anne Gueguen die Klasse übernimmt, begegnen ihr selbstbewusster Unwille und große Provokationslust. Doch die kluge Frau versteht es, mit geschickten Fragen die Muster der Jugendlichen zu durchbrechen. Ohne mit der Wimper zu zucken, meldet sie die Klasse bei einem renommierten, nationalen Schülerwettbewerb an. Mit großer Beharrlichkeit gelingt es ihr, die Schüler in eine gemeinsame Aufgabe zu verwickeln. Obwohl die meisten sich noch nie mit Geschichte befasst haben, entdecken die Jugendlichen, dass die längst vergangenen Schicksale auch ihnen viel zu erzählen haben. Für sie beginnt eine Reise in die Vergangenheit, die sie schließlich zu einer Gemeinschaft macht. Mit viel Sensibilität zeigt ihnen Madame Anne, dass sie Teil von etwas viel Größerem sind.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt die Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar eine tief bewegende Geschichte über Integration und die Chance, die in der Gemeinschaft liegt. Ein kraftvoller und kämpferischer Film, von fantastischen Schauspielern getragen und voller Hoffnung.

„…Die ruhig geführte, aber agile Handkamera vermittelt die soziale Dynamik im Klassenzimmer in dokumentarisch wirkenden Bildern, wobei die absolut glaubwürdigen Darstellungen aller Beteiligten den Einblick in die Lebenswelt akzentuieren. Durch dieses Erzählen auf Augenhöhe umschifft Mention-Schaar den durchaus nahe liegenden didaktischen Zeigefinger. Betroffenheitskitsch bleibt selbst dann aus, wenn die sparsam eingesetzte Klaviermusik einige rührende Plot Points oder das etwas zu pathetische Finale begleitet.

Seine mitreißende Wirkung verdankt das Milieudrama auch dem flotten Erzählrhythmus, der wie aus einem Guss wirkt und sich nirgendwo länger aufhält als nötig. Wunderbar pointierte Szenen umreißen nicht nur die jeweilige Stimmungslage im Klassenzimmer, sondern auch die familiären Hintergründe einiger Schüler. So begreift man zum Beispiel binnen einer Szene, dass Mélanies Mutter an der Flasche hängt und der alltägliche Rassismus im Hausflur oder öffentlichen Busverkehr für den dunkelhäutigen Malik nichts Besonderes darstellt….“
Christian Horn programmkino.de

…Ein Film der Spaß macht, unter die Haut geht und eine glatte Eins verdient. …
ZDF Heute Journal (Mediathek-Beitrag)