Die Einsiedler

Am Freitag, 16. Februar 2018 um 17:30 Uhr. Eintritt 5 Euro


Deutschland, Italien, Österreich 2015/2016  Regie & Drehbuch: Ronny Trocker
Darsteller: Andreas Lust, Orsolya Tóth, Ingrid Burkhard, …
Länge: 110 Minuten   Verleih: Barnsteiner-Film

Webseite: www.barnsteiner-film.com

Albert ist auf einem abgelegenen Bergbauernhof im nirgendwo der Alpen aufgewachsen. Er ist das einzig noch verbliebene Kind der bereits in die Jahre gekommenen Eggerhofbauern Marianne und Rudl. Seine drei Geschwister sind vor vielen Jahren auf dem ausgesetzten Schulweg von einer Lawine erfasst worden und gestorben. Obwohl Albert bereits Mitte 30 ist, zieht seine omnipräsente Mutter Marianne immer noch die Fäden in seinem Leben. Nicht ganz freiwillig und auf ihre Initiative hin ist Albert vor einigen Jahren ins Tal abgewandert, um dort als Arbeiter in einem Marmorbruch seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Marianne will ihrem Sohn das einsame Leben auf dem Berg ersparen und ist dafür sogar gewillt, mit der jahrhundertalten Geschichte des Eggerhofes zu brechen. Sie möchte die Letzte sein, die den ertragsarmen Hof bewirtschaftet.

Albert, der als fleissiger Arbeiter auf dem Marmorbruch zwar eine einigermassen sichere Stelle hat, findet im Tal nur schwer Anschluss. Das Leben in Gesellschaft muss der introvertierte Bauernsohn erst langsam erlernen. Wie ein verstoßenes Tier, das in sein vertrautes Revier zurückkehrt, schleicht er sich manchmal auf den Hof, um dort heimlich im Heulager zu übernachten.

Als eines Tages Rudl bei einem Arbeitsunfall tödlich verunglückt, befürchtet Marianne, dass Albert nun in die Rolle seines Vater schlüpfen und auf den Hof zurückkehren will. Kurzerhand verheimlicht sie ihrem Sohn und der Aussenwelt Rudls Tod und vergräbt seine Leiche am Berg. Die harte Arbeit am Hof, die sie von nun an ganz alleine erledigen muß, nagt jedoch bald an ihren Kräften. Der sich ankündigende Winter verspricht nichts Gutes. Mit Paola, einer ungarischen Gastarbeiterin und Kantinenköchin am Marmorbruch scheint indessen endlich Bewegung in Alberts Gefühlswelt zu kommen. In der von einem rauen Ton geprägten Männerwelt auf dem Bruch, wird die junge Frau schnell auf den sensiblen und zurückhaltenden Albert aufmerksam. Die sich anbahnende Liebesgeschichte ist eine völlig neue Erfahrung für Albert und sein Leben im Tal steht plötzlich in einem ganz neuen Licht.

Überfordert mit Hof und Tier beichtet ihm Marianne schließlich eines Tages den tragischen Unfalltod des Vaters. Wie befürchtet, erweckt diese Nachricht in Albert das natürliche Pflichtgefühl, den Hof übernehmen zu müssen. Gerade jetzt, wo er langsam einen Weg aus seiner sozialen Isolation zu finden scheint, ist die ersehnte Rückkehr auf den Hof für Albert jedoch keine Priorität mehr.

Der erste Schnee fällt und Albert muss sich entscheiden, will er seine Mutter nicht einsam am Hof erfrieren lassen. Paola kündigt ihm indessen an, dass sie nach Ungarn zurückkehren muss. Albert steckt in einer Zwickmühle. Trotz überlasteter Auftragsbücher am Marmorbruch, schafft er es 3 Tage Urlaub zu bekommen. Drei Tage um sein Leben zu ordnen und über seine Zukunft zu entscheiden.

 

Der schweigsame Mittdreißiger Albert ist Sohn einer Bauernfamilie, die seit 150 Jahren einen Hof in den Bergen betreibt. Seine Mutter zieht noch immer die Fäden in seinem Leben. Als der Vater stirbt, muss er sich entscheiden: kehrt er zurück auf den Hof oder bewahrt er sich sein eigenständiges Leben im Tal? Der in triste, graue Bilder gehüllte Film „Die Einsiedler“ fordert aufgrund seiner ruhigen Erzählweise und minimalistischen Inszenierung Geduld vom Zuschauer. Belohnt wird er dafür mit einer beklemmenden, intensiven Mischung aus Charakterstudie und Alpen-Drama. Björn Schneider, programmkino.de/content/Filmkritiken/die-einsiedler/