»Der 2. Juni 1967« und »Polizeistaatsbesuch«

Am 14. Juni 2012 um 20:00 Uhr. Eintritt 4 Euro.


Zusammen mit dem Hamburger LAIKA-Verlag zeigen wir die in seiner Reihe »BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS« veröffentlichten Filmbeiträge

»Der 2. Juni 1967« und »Polizeistaatsbesuch«

Anfang 2012 endlich erfuhr die Öffentlichkeit durch Rechercheure des SPIEGEL, wie systematisch die Umstände des tödlichen Schusses des Polizisten Karl-Heinz Kurras am 2. Juni 1967 auf den Studenten Benno Ohnesorg vertuscht wurden.

Der Humanistische Pressedienst schrieb dazu: »Das Thema des Todes und der Todesumstände von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 gehört zu den unauslöschlichen Erinnerungen der damaligen politischen Opposition. Die so genannten ›68er‹ wurden aus ihrer Unschuld gerissen, und es war der Beginn eines Radikalisierungsprozesses, ›Ein Schuss in viele Köpfe‹, der u.a. auch in die Forderung ›Enteignet Springer‹ und in die ›Rote Armee Fraktion‹ sowie die ›Bewegung 2. Juni‹ führte.« (http://hpd.de/node/13020)

»Der 2. Juni 1967«

Dokumentation von Thomas Giefer und Hans-Rüdiger Minow. BRD 1967; ca. 47 Minuten.

Thomas Giefer und Hans-Rüdiger Minow begleiteten Ende der Sechziger Jahre die Aktionen der Außerparlamentarischen Opposition als politische Dokumentaristen. Ihr Film schildert detailliert die studentischen Protestaktionen während des Schah-Besuchs in Westberlin. Dem studentischen Ermittlungsausschuss, der sich nach der Ermordung Benno Ohnesorgs gründete, diente der Film als Beweismaterial.
Viele der ehemaligen Mitstudierenden von Giefer und Minow an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) sind noch heute überzeugt, dass die Schüsse aus der Waffe, die Benno Ohnesorg töteten, eigentlich Thomas Giefer galten. Giefer stand an prominenter Stelle der Observationsliste der politischen Polizei, da er bereits vor dem 2. Juni Übergriffe der Polizei filmisch dokumentiert hatte. Giefer und Benno Ohnesorg sahen sich sehr ähnlich und die Zivilfahnder der Staatsschutzabteilung hatten Order sogenannte »Rädelsführer unschädlich« zu machen. Minow und Giefer wurden im November 1968 wegen ihres politischen Engagements von der Berliner Film- und Fernsehakademie verwiesen, gemeinsam mit 16 weiteren Studierenden, unter anderem Werner Sauber und Holger Meins.

»Polizeistaatsbesuch«

Dokumentation von Roman Brodmann, Süddeutschen Rundfunk. BRD 1967; 44 Minuten.

Roman Brodmann, ein Schweizer Dokumentarfilmer, gehörte mit seinen 47 Jahren nicht zur Studierendenbewegung der Sechziger Jahre. Wegen seiner sozialkritischen Fernsehreportagen musste er 1963 das Schweizer Fernsehen verlassen und wechselte als freier Regisseur zum Süddeutschen Rundfunk. Brodmanns später mit dem Grimme-Preis ausgezeichneter Film war eigentlich als amüsanter Beitrag für den Süddeutschen Rundfunk (SDR) geplant, der das aufwändige „Drum und Dran“ des Schah-Besuchs zeigt. Dank der Regie Brodmanns und aufgrund der Geschehnisse am 2. Juni 1967 entstand letztlich die Chronologie einer minutiös geplanten Notstandsübung, die im Tod Benno Ohnesorgs gipfelte. Brodmanns Film beschränkt sich nicht auf die Proteste in Westberlin, sondern dokumentiert Tag für Tag den Ausnahmezustand, in dem die BRD sich während des Staatsbesuchs befand.

„Über spektakuläre Staatsbesuche werden die Fernsehzuschauer durch Live-Übertragungen und Tagesschauberichte jeweils ausführlich informiert. Die „Zeichen der Zeit“-Redaktion des SDR in Stuttgart richtete die Aufmerksamkeit weniger auf die hohen Gäste als auf das Drum und Dran, um einen Katalog typischer Begleiterscheinungen dieser aufwendigen Zeremonielle zu entwerfen. Als Betrachtungsmodell wählte man den Besuch des persischen Kaiserpaars, der Arbeitstitel hieß „Der Staatsbesuch“. Zwei Teams begleiteten die Gäste auf ihrer Deutschlandreise von Bonn über Köln, Aachen, Düsseldorf, Rüdesheim, Rothenburg, München, Berlin und Hamburg bis Lübeck. Während das eine Team in Rothenburg noch die letzten Vorbereitungen beobachtete, war das andere mit dem Schah schon unterwegs am Rhein. Die Bilder glichen sich von Bonn bis Lübeck: Sie waren beherrscht von Polizeiaufmärschen ungeahnter Ausmaße. In Berlin und Hamburg gipfelte das Sicherheitsbedürfnis in blutigen Krawallen, die dem als Schmunzelbeitrag gedachten „Zeichen der Zeit“-Film schließlich einen unerwarteten düsteren Akzent aufsetzten.“ (Pressetext des SDR zu »Polizeistaatsbesuch«, 1967)

Zur Webseite des Laika-Verlages.

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