3 Tage in Quiberon

Am Freitag, 15. Juni 2018 um 20:00 Uhr. Eintritt 5 Euro


www.3-tage-in-quiberon.de/

 

An drei Tagen des Jahres 1981 war Romy Schneider laut dem STERN „nicht in Bestform“: Während ihres Aufenthaltes in einem Luxushotel in der Bretagne empfing sie ein Team von Journalisten, um, so das Magazin, erstmals über das zu sprechen, „was sie bedrückt, krank macht und voller Hilflosigkeit zur Flasche greifen lässt.“ ( STERN, 23.4.1981).

In der Tat verdichteten sich zu diesem Zeitpunkt einige Themen ihres Lebens: 1979 hatte Schneiders Ex-Ehemann Harry Meyen Selbstmord begangen, um den gemeinsamen Sohn David war ein Sorgerechtsstreit entbrannt, die Scheidung von Ehemann Daniel Biasini stand ins Haus, dazu kamen eine komplizierte Nierenoperation und finanzielle Sorgen, die Romy zum ständigen Filmedrehen zwangen – und zwar nicht nur aus einer künstlerischen Motivation heraus.

Wie in den rund 30 Jahren zuvor interessierte sich die deutsche Öffentlichkeit auch zu diesem Zeitpunkt brennend für das Privatleben des Weltstars. Dabei unterschieden die Medien nicht immer zwischen Mensch und Schauspielerin: War Romy Schneider in den 1950er „Sissi“-Jahren der Inbegriff der reinen Unschuld, wandelte sie sich später wahlweise zur Landesverräterin (Umzug nach Frankreich zu Alain Delon), Frau der vielen Affären oder Opfer vieler Männer und Drogen. Egal, welchen Part sie aktuell in den Medien verkörperte – sie lieferte zuverlässig die gewünschten Skandale.

Doch egal, wie sehr man Romy Schneider zur Projektionsfläche stilisierte: Letztendlich überstrahlte sie die Rollen, die ihr die Presse zuwies, durch ihre authentische Direktheit, ihren Lebenshunger und ihre absolute Hingabe an alles, was sie tat. Ihr übergroßes Talent verhalf ihr in Frankreich unter anderem zu Filmrollen in Claude Sautets „Die Dinge des Lebens“ (1970), Jacques Derays „Der Swimmingpool“ (1970) und in Pierre Granier-Deferres „Le Train – Nur ein Hauch von Glück“ (1973).

Für den STERN und seinen Unterhaltungs-Ressortleiter Michael Jürgs war Romys exklusive Interviewzusage ein Glücksfall – war ihr Verhältnis zur Presse, insbesondere der deutschsprachigen, mehr als zwiespältig. Dass der Fotograf Robert Lebeck mit Romy befreundet war, half dabei, das Interviewprojekt zu realisieren – außerdem war es Romys dringender Wunsch, sich im wahrsten Sinne des Wortes ungeschminkt als Mensch zu zeigen. In Robert Lebeck (1929-2014), dem sie 1976 zum ersten Mal begegnete und „Lebo“ nannte, fand sie einen sensiblen Verbündeten und ein Vertrauensverhältnis, das zu den einzigartigen Fotos in Quiberon führte. Lebeck erfasste den Weltstar nicht nur mit der Kamera. „Es geschah oft, dass man bei Romy offene Türen einrannte – und gleich dahinter gegen eine Betonmauer prallte“, sagte er 1998 rückblickend im STERN.

Nicht nur dass Romy Schneider keinerlei Distanz zu den Journalisten einnahm und sich Jürgs‘ für heutige Standards inhaltlich und stilistisch grenzüberschreitende Interviewfragen („Sie sind eine Erregung öffentlichen Ärgernisses“) hundertprozentig stellte, machen das Quiberon-Interview zu einem bedeutenden Dokument in Romy Schneiders Biografie. Frappierende Bekenntnisse und komplette, fast therapeutische „Auslieferung“ an den Fragesteller: Romy Schneider arbeitete auf allen Ebenen ohne Filter und hatte auch dadurch die Fähigkeit, ein Massenpublikum zu berühren. Die große Krise ihres Lebens, das quälende Dilemma zwischen Ausnahmekünstlerin und Mutter („Ich kann nichts im Leben, aber alles auf der Leinwand“), war bislang Stoff zahlreicher Dokumentationen und eines Biopics. In 3 TAGE IN QUIBERON inszeniert Emily Atef aus der Distanz ihrer amerikanisch-französischen Herkunft eine intensive Momentaufnahme, in der sie einen wichtigen Fokus auf die Fotografie legt.

Eine Annäherung an das Leben über die Kunst: Dies gilt nicht nur für ihren Film, sondern auch Romy Schneiders eigene Geschichte. Ein Biopic ist 3 TAGE IN QUIBERON aber keinesfalls: Vielmehr illustriert der Film bestimmte Grundwerte des Menschseins. Er erzählt vom Spannungsfeld zwischen privater Erfüllung und dem Wunsch, auch darüber hinaus zu wirken – und nicht zuletzt von einer der größten Schauspielerinnen Europas, die auf Resonanz angewiesen war, unbedingt geliebt werden wollte und dies in fast kindlicher Offenheit allen zeigte.   (Verleih)

Das Drama „3 Tage in Quiberon“ hat beim Deutschen Filmpreis sieben Lolas gewonnen. Marie Bäumer wurde für ihre Rolle der Romy Schneider als beste Hauptdarstellerin geehrt.

 

„‚3 Tage in Quiberon‘ ist keine Interpretation der Schauspielerin oder des Mythos‘ Romy Schneider, sondern die Zustandsbeschreibung einer Frau am Ende ihres Lebens, verdichtet auf drei Tage – ‚Zufälligerweise‘ handelt es sich bei der Dargestellten um einen Weltstar“, beschreibt Marie Bäumer den Film.

Das mag ein wenig nach Haarspalterei klingen, ist im Grunde aber auch nicht wichtig. Entscheidend ist, dass „3 Tage in Quiberon“ ein sehr gelungener Film ist, großartig gespielt und bestechend fotografiert. Und er erzählt eine Geschichte, die sowohl Bewunderer und Fans der Schauspielerin Romy Schneider zufriedenstellen dürfte, als auch diejenigen, die lediglich „die Zustandsbeschreibung einer Frau“ in der Krise auf der Leinwand sehen wollen.“    (Deutsche Welle)